Geschichte der PANTHERWERKE

Seit 1894 war die Fahrradnachfrage rapide gestiegen, und die bestehenden Fabriken konnten die Nachfrage nicht befriedigen. Daher wurden damals in Deutschland zahlreiche Fahrradwerke gegründet. Unter anderem gründeten 1896 das Bankhaus Peters Nachf. die Braunschweiger Fahrradwerke AG und Ernst Kuhlmann in Magdeburg die Panther-Fahrrad-Werke Ernst Kuhlmann & Co. 

Panther-Fahrrad-Werke Magdeburg  1896 – 1907

Die Panther-Fahrrad-Werke Ernst Kuhlmann & Co. hatten eine recht wechselvolle Geschichte: Im Jahre 1900 wurden sie zur Panther-Fahrradwerke, Act. Ges. vorm. Ernst Kuhlmann & Co., um kurze Zeit später von Oscar Vormbaum übernommen zu werden. 1907 hießen sie dann Panther-Fahrradwerke, vorm. Oscar Vormbaum, haben also offensichtlich noch einmal den Besitzer gewechselt.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert waren Fahrräder noch Luxusobjekte und entsprechend aufwendig gestaltet und gefertigt. Ebenso aufwendig waren die Kataloge gestaltet. Die Produktpalette war sehr umfangreich und reichte vom normalen Gebrauchsfahrrad über ein Kardanmodell und diverse Mehrsitzer bis zum Motorwagen.

Braunschweiger Fahrradwerke AG  1896 – 1907

Die Braunschweiger Fahrradwerke AG stellten Räder unter dem Markennamen Brunsviga her und vertrieben auch Nähmaschinen.

Leider genossen die Räder anfänglich einen recht zweifelhaften Ruf. Nach einigen Jahren besserte sich aber die Qualität und der Absatz stieg stark an. Spätestens ab 1906 war auch ein Motorrad erhältlich.

PANTHERWERKE  AG Braunschweig   1907 – 1919

1907 schlossen sich die Pantherwerke Magdeburg und die Braunschweiger Fahrradwerke AG zur PANTHERWERKE  AG Braunschweig zusammen. Die Produktion in Magdeburg wurde komplett eingestellt.

Angeboten wurden Fahrräder, Motorräder (bis 1909) und Nähmaschinen unter den Markennamen Panther und Brunsviga.

1910  übernahmen die PANTHERWERKE  AG Braunschweig die Fahrradabteilung der Mindener Maschinen- u. Fahrradfabrik Hoppe & Homann und erweiterten damit ihr Programm um die Tempo-Fahrräder, die fortan in Braunschweig gefertigt wurden.

Der 1. Weltkrieg scheint die Pantherwerke zunächst nicht besonders beeinträchtigt zu haben. Noch 1915 wurde das komplette Fahrradprogramm mit einer verblüffenden Vielfalt von Farben und Verzierungen angeboten. Über die Jahre 1916 bis 1919 ist derzeit leider nichts bekannt.

PANTHERWERKE  AG Braunschweig   1920 – 1929

Während der Inflationszeit Anfang der 20er Jahre erweiterten die Pantherwerke ihre Modellpalette kontinuierlich, obwohl die Preise im Zuge der Inflation „explodierten“. Erst im Herbst nach der Währungsreform 1923 beruhigte sich die Situation wieder.

1925 nahmen die Pantherwerke auch die Fabrikation von Kinderwagen, Puppenwagen und kleinen Kinderrädern auf. Dazu wurde das Hauptgebäude auf den heutigen Stand erweitert.

PANTHERWERKE  AG Braunschweig   1930 – 1945

Nachdem die schlimmste Zeit der Weltwirtschaftskrise mit dem schwarzem Freitag in New York vom 24. 10. 1929 überstanden war, nahm der Absatz deutlich zu. 1930 stellten die Pantherwerke von Vernickelung auf Verchromung um,  und 1931 brachten sie wieder ein motorisiertes Fahrzeug, ein Motor-Fahrrad mit 74ccm-Sachs-Motor, auf den Markt. Im Fahrradbereich waren in der ersten Hälfte der 30er Jahre vor allem 26“ Ballonräder in Mode, bei den Motor-Fahrrädern wurde schon nach kurzer Zeit auf den stärkeren 98ccm-Motor umgestellt.

Während des 2. Weltkriegs zählten die Pantherwerke zu den Rüstungsbetrieben. Etwa bis 1941 wurden auch noch Fahrzeuge und Kinderwagen gebaut, aber bereits seit Kriegsbeginn wurden auch Trittminen (T. Mi 35) produziert. Ab 1943 wurden dann auch Führerraumdächer für die Junkers Ju 352 angefertigt.

Im Gegensatz zu den 30er Jahren, in denen das Geschäftsjahr oft mit einem Verlust abgeschlossen wurde, haben die Pantherwerke während des Krieges richtig Geld verdient.

PANTHERWERKE  AG Braunschweig   1946 – 1962

Nach dem Krieg lief die Produktion im Laufe des Jahres 1946 wieder richtig an. Ab 1951 wurde in Lizenz ein Fahrradhilfsmotor, das Panther-Baby, hergestellt. 1953 startete die Produktion von 50ccm-Mopeds und es waren auch „richtige“ Motorräder mit 150ccm- und 175ccm-Motoren im Programm. Außerdem wurde ab 1953 die Aeroscheibe, eine Sichtscheibe für Motorräder, Motorroller und Seitenwagen, hergestellt.

Von 1954-1959 wurden die Fahrräder und Mopeds auch unter dem Markennamen Anker vertrieben und 1956 übernahmen die Pantherwerke auch die Herstellung von Rex-Mopeds.

1957 wurde das zerlegbare Mehrzweckrad „Pfiff“ auf den Markt gebracht. Mit seinem Einrohrrahmen und den 20“Rädern war es ein Trendsetter für die in den 60er und Anfang der 70er Jahre beliebten Klappräder.

Zunächst liefen die Geschäfte auch durch einen hohen Exportanteil zufriedenstellend, aber etwa ab 1959 konnten sich auch die Pantherwerke der allgemeinen Krise der Zweiradindustrie nicht mehr entziehen. Die Umsätze brachen dramatisch ein und letzte verzweifelte Rettungsversuche - u. a. Aufnahme der Produktion von Kindermöbeln - brachten nichts mehr. 1962 wurden die PANTHERWERKE  AG Braunschweig an die Schminke-Werke, Bad Wildungen, verkauft und zum 1.3.1963 endgültig in Braunschweig geschlossen. Bis dahin waren etwa 1,2 Millionen Fahrzeuge gebaut worden.

PANTHER Werke AG  1963 – 2006

Die PANTHER Werke AG gehört heute Herrn Michael Schminke, dem Sohn von Richard Schminke, der 1962 die Pantherwerke in Braunschweig kaufte. Der Firmensitz befindet sich in Gohfeld bei Löhne in Westfalen.